

Fotografiert im Teutoburger Wald.
What makes you happy?’, I asked. – ‘If I order coffee and am served tea.’
(Kreidler, Appearance and The Park)
Earthology heisst das neue Album der "legendär grandiosen" (Andrian Kreye) Whitefield Brothers. Hinter diesem schmucken Namen stecken Jan und Max Weißenfeldt, die beim Stones Throw Sublabel Now Again Records heimisch geworden sind. Es klingt denn auch weltläufig, angestaubt und psychedelisch - kurz: toll. - - - Die Sterne machen gemeinsam mit Matthias Modica von Gomma auf 24/7 noch mal was ganz anderes als verkopften Deutschrock. Es klingt nach Moroder und sagt "Ich gehe in die Disco/und nehm den Depri mit", was soll man da noch darüber streiten, was das jetzt genau eigentlich ist? - - - Angesichts zahlloser Gastbeiträge in der jüngeren Vergangenheit konnte man sich schon fragen, ob Fizzy Womack und Billy Danze nach plattenlosen Verträgen bei Roc A Fella und G Unit M.O.P nun als reinen Feature-Act begreifen. Nein, keineswegs, bei Koch Records ist - man muss fast sagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit - ein Album erschienen. Es heisst Foundation und ist genau das, worauf man gewartet hat, wenn man für die beiden etwas übrig hat. Habe ich: Album der Woche. - - - Hip Hop in einer ganz anderen Darreichungsform gibt es auf der sehr fein produzierten RJD2 LP The Colossus zu hören, zumeist samplefrei, immer spannend und durchweg hörbar. - - - Blockhead spielt auf The Music Scene innerhalb einer schön knarzigen Beatarchitektur mit den Genres und sorgt so für ein musikalisches Frühlingserlebnis. Und das Cover der Woche. Wäre auch Album der Woche, wenn ich nicht so lange auf M.O.P. hätte warten müssen.
Der auf Hawaii geborene, in San Francisco ausgebildete und in Berlin lebende beste Internetzhautreizer aller Zeiten Nathan Cowen (im Bild) war diese Woche mit Haw-Lin aus seinem Cabinet of Natural Curiosity kurz wieder aufgetaucht, um daraufhin wieder zu verschwinden. Wir warten gern. Aber dieser "Donate"-Button ist nix. - - - Eric Pfeil schreibt u. a. in der FAZ über Popmusik wie kein zweiter ("Tortenmusik. Für a-ha Fans mit bipolarem Defekt" schrieb er etwa über das neue Album von Kashmir) und genau das ist der Grund, weshalb hier sein Buch Komm wir werfen ein Schlagzeug in den Schnee empfohlen wird. - - - Gar nicht mehr einkriegen kann ich mich darüber, wie toll es ist, was die sehr jungen Berliner Fotografen Max Paul und Jan Au zusammen mit dem Hamburger Autor Rick Reuther auf die Beine gestellt haben: Die Zeitlosschrift (allein der Titel!). Allesamt Könner und, wie es scheint, sehr nette Menschen. - - - Was Fantastic Man dem Herrn, wird The Gentlewoman der Dame sein oder: Wie Gert Jonkers und Jop van Bennekom aus dem Stand zu sehr einflussreichen Blattmachern wurden. Auch hier bleibt einem vor Staunen der Mund offen stehen. Vor allem wenn man bedenkt, dass damit eigentlich eine homosexuelle Zielgruppe angepeilt wird, die beiden haben vorher BUTT ins Leben gerufen. - - - Die erste Staffel von In Treatment (HBO, produziert von Mark Wahlberg) bewegt. Man ahnt nicht, wie sehr die Sympathien, die man zu Beginn für den Therapeuten und Protagonisten Paul Weston entwickelt hat, im Laufe der 43 Sitzungen noch auf die Probe gestellt werden. So geht Fernsehen, zumindest in Israel und den USA.
Seit ich irgendwo gelesen habe, dass Serge Gainsbourg sie gesammelt und überall in seinem Haus aufgestellt hat, habe ich den Keller durchsucht und bin fündig geworden: Die roten Cartier Boxen sind wunderschön. Kann man übrigens auch bei eBay finden. - - - Staubsaugen, das kann auch Freude machen: Damit nämlich! - - - A.G. Spalding & Brothers ist ein altes New Yorker Unternehmen, dass sich vor allem auf Schreibwaren spezialisiert hat. Keine Onlinepräsenz, keine Geschäfte in Deutschland und so dermaßen schöne Produkte - das macht einen natürlich raderkastendoll. Wer Hinweise hat, wo es was gibt: Raus damit, bitte. - - - Für Menschen, die gern mit ihren Laptops ins Bett gehen: Das Magazin Laptoptablett. - - - Von Philippe Dumas eigenhändig illustriert ist der neue Hauskatalog Le Monde d' Hermès Printemps-Été 2010.
"Eines schickt sich nicht für alle
sehe jeder wo er bleibe
sehe jeder wie ers treibe
und wer steht,
dass er nicht falle"
Still aus dem Film Chariots Of Fire (1981).
Wer einen solchen nicht in der Nähe hat, mag sich von der hier abgebildeten Kurzanleitung inspirieren lassen. Oder aber von der militärischen Ausbildung: Ein einfacher Lauf wird mit fünfzehn Kilo Gepäck auf dem Rücken sehr anspruchsvoll. Wenn man dabei noch singt, umso mehr.
Hendrik Weber macht unter dem Alias Pantha du Prince anspruchsvolle elektronische Musik, ohne dass dabei der Anspruch dem Tanzbein im Weg stünde. So ist Black Noise eine sehr gelungene dritte LP geworden, als Gäste sind Noah Lennox (Animal Collective) und Tyler Pope (LCD Soundsystem) mit von der Partie. - - - Viel mehr als Disney-Kinderstar und Cash Money-Hooklieferant! Drake gibt mit Over einen ersten Vorgeschmack auf die für Mai angekündigte Thank Me Later LP. - - - Der Israeli Guy Gerber ist mit My Invisible Romance von Tel Aviv Richtung Berghain unterwegs. - - - Der Kreuzberger fLako indes orientiert sich eher an Kalifornien und dem Stones Throw-Sound, läuft aber keineswegs auf ausgetrampelten Pfaden, The First Spaceshit On The Moon eben. - - - Joy Orbison schließlich wertet eine musikalisch nicht armselige Woche mit seiner The Shrew Would Have Cushioned The Blow EP noch mal auf.
Zwei wirklich brauchbare sprachliche Leitfäden aus Häusern, denen man vertrauen darf: Das NZZ Vademecum und das NYT Manual on Style and Usage. - - - Blog auf Papier II: Merlin Bronques (lastnightsparty.com) fotografiert schöne und meist betrunkene Frauen, die sich auch gern für ihn ausziehen. Warum nicht? - - - DAS Buch über James Dean haben Sanford & Beulah Roth gemacht und wer noch nicht hat, der sollte aber bald mal. - - - Einen ganzen Haufen Zeitschriften habe ich aus der Bahnhofsbuchhandlung geschleppt, es waren herbe Enttäuschungen (GQ Style, die deutsche Ausgabe der L'Officiel Hommes), aber auch sehr erfreuliche Titel (die britische I-D mit Olivier Zahm-Interview, Monocle) dabei. - - - Wenn Militär und Esoterik sich treffen, wird es absurd. In Hollywood hat man die Möglichkeiten, das von Clooney, Bridges, McGregor und Spacey darstellen zu lassen und so wartet The Men Who Stare At Goats mit der wohl lustigsten Blockbuster-Szene des noch jungen Jahres auf (hier ansehen). Der eigentliche Wahnsinn aber ist, dass das Drehbuch sich auf tatsächliche Ereignisse stützt. - - - Mark Wahlberg als Produzent und HBO als Sender, das scheint irgendwie immer was zu sein. Auch Bored To Death ist eine so gute Serie, das man gar keinen Gedanken daran verschwenden sollte, ob sie vielleicht irgendwann mal im deutschen Fernsehen laufen könnte. Besser sofort ansehen.
Matte black everything: neue "Farbe" für die schöne Ray Ban Wayfarer. - - - Das bevorzugte Fortbewegungsmittel Meerbuscher Zahnarzttöchter: Das Hollandrad von Gazelle. Finde ich ganz gut, denn diese Fixies überall nerven ja so langsam mal. - - - Eines, das eine ganze Schachtel aufnimmt muss man erstmal finden (z. B. hier), die ständige Umpackerei ist manchmal lästig, aber es gibt sonst eigentlich nur Gründe für ein Zigarettenetui. Wenn man Gründe fürs Rauchen gefunden hat.
Jay Electronica vielleicht. 1976 als Timothy Elpadaro Thedford in Magnolia, New Orleans geboren ist sein Werdegang bereits so etwas wie ein Gegenentwurf. Er ist ein Spätzünder. Erst die Verbindungen seiner späteren Frau, Erykah Badu, ins Musikgeschäft haben dazu geführt, dass ein größeres Publikum von ihm Notiz nehmen konnte. Musik hatte er bis dahin einfach nur gemacht, er hat sie nicht verkauft. Das könnte einer der Gründe dafür sein, dass sie so pur und ungestreckt wirkt. 2008 hat er für die Nas LP den Aufmacher Queens Get The Money produziert. Es war der einzige Beat, wenn man das lose Piano so nennen will, auf dem Nas sein seit Jahren brachliegendes Potenzial umsetzen konnte. Und der einzige Höhepunkt des Albums. Den Gepflogenheiten des Geschäfts entzieht sich Jay Electronica seitdem jedoch spielerisch, der Hype um ihn beruht allein auf seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten vor allem als Rapper, auch als Produzent. Und darauf, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. Marketing gibt es praktisch nicht. Die Badu bezweifelte jüngst gar, dass ihr Mann je ein "richtiges Album" herausbringen werde. Der selbst indes scheint sich in der Rolle des lange verkannten Hochbegabten zu gefallen:„Guru told me to slow up the flow / ‘cause science and metaphors will slow up the dough / so here we go / gs up, hoes down / if rap was like blacks in the sixties / I‘m a white cop in riot gear“
Körperliche Ertüchtigung, für die man nichts braucht als eben seinen Körper, insbesondere keine kostspieligen Mitgliedschaften, das ist ein Thema, dem wir uns in einer losen Reihe von Beiträgen widmen werden.
Aus Norwegen kommt von Lindstrom & Prins Thomas mit II ein Album, das einen völlig unproblematisch über etwas mehr als eine Stunde trägt. - - - Die Leon Lace EP Live From Henriques St. ist schon jetzt ein Anwärter für die Platte des Jahres: keine Samples, alles live eingespielt und aufgenommen mit Studioequipment auf dem technischen Stand der frühen Siebzigerjahre - atemberaubend und deshalb Platte der Woche. - - - Diplo stellt auf Free Gucci das Beste der Cold War Mixtapes zusammen, darunter sein eigenes Break Yourself Edit und ein Photo Shoot Remix von Flying Lotus. Nein, mit keinem anderen Rapper als Gucci Mane wäre das ein solches Vergnügen geworden. - - - Der siebenundzwanzigjährige Schwabe Konstantin Gropper ist unter dem Pseudonym Get Well Soon so etwas wie der Riesling der deutschen Musik, sein zweites Album Vexations wird allenthalben gehört und gelobt. Völlig zu recht. - - - Auf Beck Hansens Record Club Release Songs of Leonard Cohen versuchen sich Devendra Banhart, Binki Shapiro, MGMT u. a. an den Stücken der Legende und das ist manchmal (So Long Marianne) wirklich schön.
"Diese kleine Schrift will die Lehrsätze der Psychoanalyse in gedrängtester Form und in entschiedenster Fassung zusammenstellen" leitet Sigmund Freud seinen Abriss der Psychoanalyse ein - und hält dann Wort. - - - Giorgio Locatelli stellt in Made in Italy seinen tollen Rezepten Anekdoten aus seinem Leben zur Seite. Und was er über den hierzulande allgegenwärtigen Balsamicoessig schreibt, das hat meinen Blick auf dieses Produkt völlig verändert. - - - Die Poesie der Umständlichkeit: Das "Beste" aus Donald Rumsfelds öffentlichen Reden ist in dem schönen kleinen Bändchen Pieces Of Intelligence: The Existential Poetry of Donald H. Rumsfeld festgehalten ("I'm working my way / Over to figuring out / How I won't answer." - Evasion Haiku, Dec. 3, 2002, Department of Defense News Briefing). - - - Samstags am Kiosk, keine NZZ mehr da, aber die Gazzetta dello Sport: Tolle Farbe, tolles Format, leider so etwas wie eine Sprachbarriere. - - - Die gibt es auch bei der Elle Wonen aus den Niederlanden, allerdings sind da mehr Bilder drin und die sind besser als in sämtlichen deutschsprachigen Architekturzeitschriften. Die aktuelle Ausgabe widmet sich übrigens dem Thema Küche.
Für Menschen, die viel am Schreibtisch arbeiten und/oder abends häufig in orthopädisch bedenklicher Haltung einschlafen: Die Go Fit Foam Roll zur Selbstmassage. - - - Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich Anfang der Neunziger mit meinem Cousin in der Garage meines Onkels begeistert in diesem Auto spielte. Weil ich jünger war, musste ich immer das Motorgeräusch nachahmen (anstrengend). Vielleicht ärgert sich mein Onkel heute, den stahlblauen Audi RS2 Avant verkauft zu haben. Ich jedenfalls täte das. - - - Jeden Morgen derselbe unheilvolle Ton, es ist eine Hassliebe, die mich mit dem Braun Reisewecker von Dietrich Lubs verbindet. Ich hasse ihn für das, was er tut und liebe ihn, weil er dabei so gut ausschaut. - - - Der mit Abstand beste Reiseanzug für ein Macbook ist das Cote et Ciel- Sleeve. - - - Auf meinem Wunschzettel steht die Kiehl's Body Scrub Soap, die ewige Arzt-Seifen-Duscherei habe ich nämlich über.