Kirmesboxen

Katharina sagt, dass es an dem Platz läge. Auf genau diesem Sessel an genau dieser Stelle hatte schon ihr Großvater Willi immer Boxen geschaut, nachts aufgestanden ist er dafür sogar. Wie das denn sonst käme, dass ich mich plötzlich dafür interessiere. Das mit dem Fußball reicht ihr eigentlich, es kommt mir also zupass, dass ich mein Boxinteresse vorerst auf den in mich gefahrenen Geist des - Gott hab ihn selig - Großvaters schieben kann.

Überzeugt bin ich davon aber nicht. Meine früheste Boxerinnerung geht auf den Philosophielehrer Herrn Stölb zurück, frühe Oberstufe schätze ich. Vorher war sportlich nur Fußball und Formel 1. Mit strahlenden Augen hatte er von der Ursprünglichkeit des Faustkampfes Mann gegen Mann geschwärmt. Sogar nachts aufstehen würde er für einen vielversprechenden Kampf, seine Frau erkläre ihn deswegen für verrückt. Und weil ich ihm - was sich nun wirklich nicht von vielen Lehrern, die ich hatte, sagen lässt - abgenommen habe, was er erzählt, habe ich ich das irgendwo abgelegt und jetzt, gute zehn Jahre später, wieder hervorgekramt. Ausgerechnet in Willis Sessel.

Das Archaische war es wohl schließlich, das mich neugierig gemacht hatte. Klappt also heute noch wunderbar, dachte ich: Tausende am Ring, Millionen vor den Fernsehern schauen zu, wie sich zwei Typen verkloppen. Beim ersten Mal waren das der in seinem Duktus doch arg an Lukas Podolski erinnernde Felix Sturm und ein mir namentlich schon nicht mehr bekannter Gegner. In der Berichterstattung über den Kampf spielte vor allem eine Rolle, dass Sturm nicht nur boxte, sondern auch veranstaltete und vermarktete. Beim zweiten kämpfte Wladimir Klitschko gegen einen - ja wen nochmal? Und beim dritten der Bruder Witali gegen einen gewissen Shannon Briggs.

Nach 36 Runden und hunderten dazwischen ausgestrahlten Werbespots ist klar, dass es heute eben nicht mehr klappt. Der Zauber, der Willi oder Herrn Stölb hat aufstehen lassen - weg. Von einem Freund habe ich dann den Rat bekommen, jenseits der Schwergewichtsklasse zu schauen, da gebe es ihn nämlich noch, den Boxsport in Reinform. Habe ich nicht gefunden. Vielleicht wollte ich auch gar nichts mehr finden, nachdem ich mir an einem Abend anfallartig die drei epischen Frazier vs. Ali-Kämpfe angesehen habe. Den letzten davon gewinnt Ali, weil Fraziers Trainer seinen Schützling aus dem Kampf nimmt. Freuen kann sich der Gewinner aber nicht, er wird vorher ohnmächtig vor Erschöpfung.

Man braucht nicht mehr als diese drei Kämpfe. Das Boxen ist danach gestorben.

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Für Slogans wie Mehr MUT für unser "Wiener Blut" - zu viel Fremdes tut niemandem gut (meint der HC jetzt Strauss oder Falco?). Und Raps wie diesem hier.
(Collage: Florian Mayr)

Stigmata eines Handlungsreisenden

Ein holländischer Geschäftsmann sucht auf der Durchreise in Düsseldorf eine Domina auf, von der er sich kreuzigen lässt. Irgendwann löst sich die Verankerung des Kreuzes aus der Wand und der Mann kippt mit erigiertem Schwanz einfach nach vorn über, die Arme immer noch in den Fesseln. Er trägt einen doppelten Arm- und Penisbruch, sowie die Frage, wie er das nun seiner Frau erklären soll, davon. In das Universitätsklinikum, wo er zum Flurgesprächsthema der nächsten Wochen werden wird. Und nach Hause.