Nomen est omen (II)

Die Anwälte der "Nazi-Braut" (BILD) Beate Zschäpe heissen Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl. Warum?

Nomen est omen (I)

Neulich: Einsatz als Gerichtsreporter. Vorwurf: Körperverletzung. Auftritt eines Zeugen. Name: Julian Rocky Vogelsang. Alter: 18. Der Vorsitzende: "Das Rocky steht aber nicht im Personalausweis, oder?" Vogelsang: "Doch."

Das jüngste Gericht (I)

Mangerie De jonge Koekop, Leiden (NL)
Freitag, 6. Januar 2012, 19 Uhr, Tisch für zwei

Joost van Herks Variation von kross gebackenem Kalbsbries und zart geschmortem Kalbsnacken mit karamelisierten Frühlingszwiebeln (als Hauptspeise 26,50 Euro).


Transfermarkt

Es bedarf dringend frischen Winds in der Weltpolitik. Vorschlag deshalb: Das handelnde Personal kann ab 2012 –  auch staatsübergreifend – den Verein wechseln. Beispiel: Italien hat Berlusconi über, der sich eine neue Herausforderung (neue Sprache, neue Kultur) gut vorstellen kann. Es ist sein letzter großer Vertrag. Libyen verpflichtet den potenten Medienunternehmer, der sich zudem im Land bereits gut auskennt. Oder: Trotz Merkels Beteuerungen, dass Christian Wulff auch nächste Woche noch in Bellevue auf der Bank sitzen werde, geht plötzlich alles ganz schnell. Doppelwechsel an der Staatsspitze, Stephanie und Karl-Theodor kommen für Bettina und Christian "Stahlgewitter" Wulff. Leiter des Bundespräsidialamtes wird Johannes B. Kerner.

W wie...

Weihnachten.
Ein Gespräch mit dem Psychoanalytiker Paul Rath:

Es ist Heiligabend und statt zu schneien, regnet es. Bei vielleicht acht, neun Grad. Die erste enttäuschte Erwartung.

Unter Umständen. Wenn sie Weihnachten ganzheitlich erleben und damit verbinden, dass man sich nach innen vor dem lodernden Feuer in heimeliger Atmosphäre abschottet, während draußen der Schnee rieselt. Das sind dann aber schon recht zugespitzte Erwartungen und Wünsche.

Aber selten sind sie nicht.

Nein. Das ist aber nicht nur in Bezug auf Weihnachten so. Wir als Gesellschaft tun uns schwer, Spannungen, ein offenes Ende auszuhalten. Denn wir haben klare, enge und hohe Erwartungen und wollen Spannungen immer befriedigen. Werden so aber möglicherweise nur enttäuscht.

Klingt, als wären wir ziemlich degeneriert.

Nehmen sie doch nur das Schenken. Mittlerweile gibt es ein richtiggehendes Bestellwesen rund um das Fest. Jemand anderen mit einem Geschenk, einer Überraschung zu erreichen, wird kaum noch gewagt. Es könnte ja nicht gefallen. Man fragt nach – persönlich oder über Mittelsleute, lässt sich einen Wunschzettel aushändigen, verschenkt Gutscheine oder Geld. Eine Art Enttäuschungsprophylaxe. Dabei ist die Enttäuschung doch gut: Ent-täuschung, die Aufhebung einer Täuschung. Gerade im Zwischenmenschlichen, das so sehr von der Überraschung lebt. Nicht von der Berechenbarkeit.

Aber muss das Fest der Liebe Enttäuschungen nicht aushalten können?

Liebe ist – mit Fromm – ein Kind der Freiheit. Weihnachten ist eine immer wiederkehrende Zwangsveranstaltung. Damit ist ein ungeheures Konfliktpotenzial beschrieben, dass sich nur dann nicht entlädt, wenn wir kreativ sind und Lösungen finden. Weihnachten kann ein schönes Fest sein. Wir müssen aber aktiv etwas dafür tun und dürfen uns nicht auf eine passive Erwartungshaltung verlegen. Sonst kann es passieren, dass etwa das Elternhaus zum Hochofen gerät.

Gehen bei ihnen nach Weihnachten eigentlich mehr Therapie-Anfragen ein als gewöhnlich?

Weihnachten, Silvester als Fest der Bilanz und Karneval führen zu einem deutlichen Anstieg, ja.

Wie feiern sie selbst?

Wir feiern Weihnachten als Fest des Handelns. Zum Beispiel ist am 24. bei uns erstmal noch gar nicht geschmückt. Wir gehen morgens gemeinsam in den Wald, sammeln Tannengrün und machen das dann zusammen.


Zur Person: Paul Rath
Seit 30 Jahren praktiziert der Psychoanalytiker in Haan. Von 1997 bis 2007 arbeitete er halbtags zudem in der Marketingabteilung eines Maschinenbauunternehmens. Rath ist Hobby-Schreiner. Sämtliche MDF-Bücherregale in seiner modern-reduzierten Praxis hat er selbst hergestellt. Mehr unter www.paulrath.de



Westernohe.
Oder Wald, Westerwald. Wacholderheide. Wanderungen. Und Wildschweine! Drahthaar Enno treibt an einem Wechsel mit wehenden Ohren eine Rotte Sauen vor sich her. Eine Art Kur für Mensch und Tier: 948 Einwohner (was 126 je Quadratkilometer entspricht). Eine Kneipe. Ein Dorfladen. Im Rucksack: Brötchen, Bild, Fleischwurst, Hachenburger Pils. Zurück: Holzhacken, Kamin anfeuern. Suppe ansetzen. Bon Iver singt hoch, warum nur macht es mir hier nichts aus? Filme. Was es 2010 eben so gab und bis hierher verpasst wurde: Winter's Bone (großartig: Jennifer Lawrence als Ree Dolly), Nanga Parbat (oder die Messner-Tragödie), Mr. Nice (kein Fan von Rhys Ifans, kein Fan des Schnitts, großer Fan des Buchs), I'm Still Here (enervierend), The King's Speech (toll), The Bang Bang Club (eingeschlafen). Essen bei Thomas Röttger: Wild aus eigener Jagd. Essen beim Ehepaar Piton: Tatar aus der eigenen Metzgerei. Heimfahrt in die Datsche über Feld und Wiesen. Der Wagen frisst sich durch den Matsch. Aus eigener Kraft.



Wassenaar.
Der freundliche Kaufmann erzählt, dass er seine Urlaube seit Jahren im Sauerland verbringe. Das seien so 300 Kilometer von hier. Mehr, sagt er, sei er für eine Ferienwoche nicht zu fahren bereit. Uns sind über 600 Kilometer Hin- und Rückweg für einen Tag am Meer nicht zu weit. Selbst mit dem überaus kapriziösen englischen Auto nicht, das vom stolzen Besitzer seines ausladenden Hecks wegen Pippa genannt wird und dessen Trinkgewohnheiten alle 350 bis 400 Kilometer regelrechte Gelage an Super-Zapfsäulen erforderlich machen. Jubelgesten, als die Nordsee endlich hinter den Dünen auftaucht. Zweieinhalb Stunden Strandlauf, nach Katwijk und retour. Drahthaar Enno treibt plötzlich zwei Jungs mit Bällen vor sich her, der eine lässt seinen irgendwann fallen. Beute! Der Jagdhund schüttelt den bunten Plastikball kurz, dann ist er platt. Zehn Euro handelt der hellblonde holländische Bursche als Reparation aus. Was er nicht weiss: Er hätte auch 20 bekommen. Nur nicht unangenehm auffallen.
Wassenaar ist im Grunde ein nobler Vorort Den Haags. Der niederländische Thronfolger Willem-Alexander lebt dort mit seiner argentinischen Gattin Maxima und den Kindern auf Gut Eikenhorst. Es gibt eine hübsche kleine Einkaufsstraße, sehr englisch anmutende Viertel, erstaunlich wenig Hässlichkeit. Im Grunde verstören bloß die Eilat-Plakate an den Bushaltestellen: Wen, der hier lebt, sollte es denn bitte da hin ziehen?


Ganz oben (oder: Die Poesie des Ricky R.)

"Only fat ni*** in a sauna with jews"
- Rick Ross

Zeit zuzuhören?


Denn Moritz von Oswald ist in Plauderlaune. Und hat Platten mitgebracht. Ist es nicht schön, gute Musikstücke in Ruhe zu Ende zu hören, und nicht wie im Vorübergehen in sich reinzufressen? Noch besser: danach davon zu sprechen.

Never not working

"Ihr Nichtstun allerdings war ein tatsächliches Nichtstun, denn es tat sich in ihnen nichts, wenn sie nichts taten. Der Geistesmensch ist aber genau im Gegenteil am allertätigsten, wenn er sozusagen nichts tut."
- Thomas Bernhard

Guttenberg tritt einen Schritt zurück

Die Wahrhaftigkeit in der Politik ist oft dort, wo wir sie am allerwenigsten vermuten. Auf der Altenpflegestation, neben der Tür zum Zimmer einer alten Dame etwa. Dort auf dem Flur steht nun also angeschlagen, und es ist zu vermuten, dass Sie selbst sich dieses Zitat unter dem Bild einer Sonnenblume ausgesucht hat: "Wenn man eine Sache genau sehen will, muss man oft einen Schritt zurücktreten."
- Karl Theodor Freiherr von Guttenberg

Update: KT is back from CT. Ohne Schmierfrisur und Brille zwar, dafür aber noch immer mit einem gerüttelt Maß Cockiness. 

Oh la la!


1. Nicolas Jaar - What My Last Girl Put Me Through
2. FaltyDL - Play With My Heart
3. Mount Kimbie - Carbonated
4. Shlohmo - Anywhere But Here
5. Nina Kraviz - Pain In The Ass (Original Mix)
6. 2562 - Aquatic Family Affair
7. Shabazz Palaces - Are you... Can you... Were you? (Felt)
8. The Cool Kids ft. Bun B - Gas Station
9. Pusha T ft.Tyler, The Creator - Trouble On My Mind
10. Doom Starks - Victory Laps

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